KI im Handwerk 2026: Warum Betriebe weiter Hände brauchen

· 7 Min. Lesezeit
Elektriker verlegt Kabel auf einer Baustelle, daneben ein Tablet mit digitalem Bauplan

Wissen für Arbeitgeber

Nur 4 Prozent der Handwerksbetriebe in Deutschland setzen Künstliche Intelligenz ein, so eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter 504 Betrieben vom August 2025. Gleichzeitig blieben 2025 rechnerisch knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen unbesetzt, fast jede zweite. Was KI im Betrieb wirklich übernimmt und warum die Baustelle trotzdem Fachkräfte braucht.

Titelbild: Symbolbild (KI-generiert).

Was KI im Handwerk heute übernimmt

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) misst, welcher Anteil der Tätigkeiten eines Berufs schon heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnte. Diesen Wert nennt es Substituierbarkeitspotenzial. Die letzte Neuberechnung (IAB-Kurzbericht 5/2024, Stand der Technik 2022) zeigt: Vor allem generative KI hat neue Möglichkeiten geschaffen. Den stärksten Anstieg gab es in den Expertenberufen, um 9,7 Prozentpunkte. In den Fachkraftberufen liegt das Potenzial bei 61,6 Prozent, ein Plus von 3,5 Punkten.

Was das konkret bedeutet, beschreibt das IAB selbst: KI-gestützte Text- und Sprachgeneratoren können Termine koordinieren, Dokumente vervollständigen sowie Protokolle und Zusammenfassungen schreiben. Im Handwerksbetrieb ist das die Arbeit am Schreibtisch: Angebote, Rechnungen, Terminplanung, Dokumentation. Hier ist das Handwerk schon digital unterwegs. Laut der Bitkom-Umfrage versenden 68 Prozent der Betriebe ihre Angebote digital, 62 Prozent ihre Rechnungen, 48 Prozent bieten Online-Terminbuchung an.

Baustelle oder Fertigungshalle: der Unterschied in Zahlen

Die Potenziale verteilen sich sehr ungleich. In den Fertigungsberufen könnten laut IAB 87,9 Prozent der Tätigkeiten automatisiert werden, in den Bau- und Ausbauberufen 42,5 Prozent.

Berufssegment (IAB) Anteil automatisierbarer Tätigkeiten, Stand 2022
Fertigungsberufe 87,9 %
Land-, Forst- und Gartenbauberufe 50,3 %
Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe 49,5 %
Reinigungsberufe 45,4 %
Bau- und Ausbauberufe 42,5 %

Der Grund liegt auf der Hand: Dächer decken, Leitungen verlegen, Bäder sanieren passiert an wechselnden Orten, und jedes Objekt ist anders. Das IAB mahnt außerdem zur Vorsicht. Solche Potenziale wurden in der Vergangenheit nicht immer und nicht vollständig ausgeschöpft, ihr Beitrag gegen Fachkräfteengpässe sollte deshalb nicht überschätzt werden. Wer einen einzelnen Beruf prüfen will, findet ihn im Job-Futuromat des IAB.

KI-Jobverlust? Im Handwerk fehlen die Leute

Während über Jobverlust durch KI diskutiert wird, sieht die Lage im Handwerk anders aus. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zählte für 2025 insgesamt 157 Berufe mit Fachkräfteengpass, sechs weniger als im Vorjahr. Engpässe bestanden laut BA weiterhin in Bau- und Handwerksberufen.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft rechnet genauer: Auf knapp 210.000 offene Stellen in Handwerksberufen kamen 2025 nur etwa 140.000 arbeitslose Handwerkerinnen und Handwerker, die eine Stelle suchten. Knapp 100.000 Stellen, fast jede zweite, ließen sich rechnerisch nicht besetzen. 59 von 115 Handwerksberufen hatten einen Engpass, in 35 davon besteht er seit mindestens zehn Jahren.

Handwerksberuf (Gesellenniveau) Offene Stellen ohne passende Arbeitslose, 2025
Bauelektrik 16.270
Kraftfahrzeugtechnik 13.327
Sanitär, Heizung, Klimatechnik 10.941
Metallbau 6.513

In der Bauelektrik konnten 2025 rechnerisch mehr als sieben von zehn offenen Stellen nicht besetzt werden. Allein in Bauelektrik, Sanitär-Heizung-Klima und Metallbau bleiben damit rund 33.700 Stellen für Gesellinnen und Gesellen ohne passende Bewerber (unsere Berechnung aus den KOFA-Zahlen).

Auch körperliche Arbeit wird bisher kaum automatisiert. Roboter nutzen laut Bitkom erst 7 Prozent der Handwerksbetriebe, Drohnen 10 Prozent. Die Erwartungen an KI sind trotzdem hoch: Ein Drittel der Betriebe glaubt, dass KI Geschäftsmodelle im Handwerk vollständig verändern wird (33 Prozent), 35 Prozent sehen bei frühem Einsatz einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig sorgt sich die Hälfte (52 Prozent), dass KI und Software bald vorgeben, wie Handwerkerinnen und Handwerker arbeiten müssen. Und 58 Prozent wissen nach eigenen Angaben nicht, welche Technologien und Einsatzmöglichkeiten es überhaupt gibt.

Beim Personal ist das Bild eindeutig. In der Bitkom-Umfrage beklagen 75 Prozent einen Fachkräftemangel und 83 Prozent einen Mangel an Auszubildenden. 72 Prozent sagen, sie hätten schlicht zu viel zu tun, um sich mit Digitalisierung zu beschäftigen. KI setzen erst 4 Prozent ein, 9 Prozent planen es. Und nur in 29 Prozent der Betriebe gibt es Mitarbeitende, die mit KI umgehen können.

Fachkräfte aus Polen: der direkte Weg

KI kann Ihr Büro entlasten. Die Baustelle braucht Menschen. Laut BA hat sich der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen seit 2014 von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt. BA-Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles sagt dazu: „In vielen Engpassberufen sind ausländische Beschäftigte schon heute unverzichtbar.“

Polen gehört zur EU. EU-Bürgerinnen und -Bürger brauchen für eine Beschäftigung in einem anderen EU-Land im Allgemeinen keine Arbeitserlaubnis, so das EU-Portal Your Europe. Das Freizügigkeitsgesetz/EU gibt in § 2 Unionsbürgern, die als Arbeitnehmer nach Deutschland kommen, das Recht auf Einreise und Aufenthalt. Für Ihren Betrieb heißt das: Sie stellen eine polnische Fachkraft nach denselben deutschen Regeln ein wie jede andere Mitarbeiterin und jeden anderen Mitarbeiter.

Was bedeutet das für Ihren Betrieb

  1. Büroarbeit mit KI entlasten. Angebote, Rechnungen, Termine und Dokumentation sind die Aufgaben, die KI heute am ehesten übernimmt. Jede Stunde, die Sie dort sparen, steht für Kundschaft und Baustelle zur Verfügung.
  2. Offene Stellen ehrlich prüfen. Welche Stellen sind seit Monaten unbesetzt? Die Engpassanalyse der BA zeigt, ob Ihr Beruf dazugehört. Dort hilft keine Software, dort hilft eine zusätzliche Fachkraft.
  3. Fachkräfte aus Polen anfragen. Beschreiben Sie kurz, wen Sie suchen: Gewerk, Qualifikation, Starttermin. Personal aus Polen meldet sich persönlich und klärt mit Ihnen den passenden Weg. Jetzt Personal anfragen.

FAQ

Ersetzt KI bald Handwerker auf der Baustelle?

Laut IAB könnten in Bau- und Ausbauberufen 42,5 Prozent der Tätigkeiten technisch von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden, in Fertigungsberufen 87,9 Prozent. Das IAB betont zudem, dass solche Potenziale in der Vergangenheit nicht immer und nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Arbeiten an wechselnden Orten mit wechselnden Objekten bleiben Handarbeit.

Wie viele Handwerksbetriebe nutzen schon KI?

Laut Bitkom-Umfrage vom August 2025 setzen 4 Prozent der Handwerksbetriebe KI ein, weitere 9 Prozent planen es. Nur 29 Prozent haben Mitarbeitende, die mit KI umgehen können.

In welchen Handwerksberufen fehlen die meisten Fachkräfte?

Auf Gesellenniveau waren 2025 die Lücken laut KOFA in der Bauelektrik (16.270), der Kraftfahrzeugtechnik (13.327), in Sanitär, Heizung, Klimatechnik (10.941) und im Metallbau (6.513) am größten.

Brauchen Fachkräfte aus Polen eine Arbeitserlaubnis?

Nein, als EU-Bürger brauchen sie für eine Beschäftigung in Deutschland im Allgemeinen keine Arbeitserlaubnis. Das Freizügigkeitsgesetz/EU gibt Unionsbürgern, die als Arbeitnehmer kommen, das Recht auf Einreise und Aufenthalt.

Quellen

  1. Bitkom, Presseinformation: Handwerk, Azubis, Betriebe, Digitalisierung (Umfrage unter 504 Handwerksunternehmen), Stand: 28.08.2025
  2. IAB-Kurzbericht 5/2024: Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt (Substituierbarkeitspotenziale 2022), Stand: 2024
  3. WSI GenderDatenPortal: Substituierbarkeitspotenziale nach Berufssegmenten 2022, abgerufen am 01.10.2026
  4. IAB Job-Futuromat, abgerufen am 01.10.2026
  5. KOFA Kompakt 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk (IW Köln), Stand: 06/2026
  6. Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 32: Fachkräfte bleiben knapp, Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung, Stand: 02.09.2026
  7. Your Europe (Europäische Union): Arbeitserlaubnis, Stand: 03.09.2026
  8. Freizügigkeitsgesetz/EU, § 2: Recht auf Einreise und Aufenthalt, abgerufen am 01.10.2026

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