Arbeitskräfte aus Polen finden und einstellen: 4 Wege 2026

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Handschlag im Büro - Polnische Arbeiter einstellen

Wissen für Arbeitgeber

Seit 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro brutto je Stunde, ab 2027 steigt er auf 14,60 Euro. Diese Untergrenze gilt auch für polnische Arbeitskräfte, ob Sie sie selbst anstellen, über Zeitarbeit einsetzen oder ein polnischer Betrieb sie entsendet. Welcher Weg passt, hängt von Branche, Dauer und Aufwand ab.

Ohne Arbeitserlaubnis: was die EU-Freizügigkeit erlaubt

Polen gehört zur EU. EU-Bürgerinnen und -Bürger brauchen für eine Beschäftigung in einem anderen EU-Land im Allgemeinen keine Arbeitserlaubnis, so das EU-Portal Your Europe. Das deutsche Freizügigkeitsgesetz/EU nennt in § 2 ausdrücklich Unionsbürger, die sich als Arbeitnehmer in Deutschland aufhalten wollen. Wer zur Arbeitsuche kommt, darf bis zu sechs Monate bleiben, länger nur mit begründeter Aussicht auf eine Stelle.

Beim Lohn gibt es keinen Rabatt: Nach § 20 Mindestlohngesetz müssen Arbeitgeber mit Sitz im In- oder Ausland ihren in Deutschland Beschäftigten mindestens den Mindestlohn zahlen. Wo ein Branchenmindestlohn höher liegt, geht er vor (§ 1 Abs. 3 MiLoG).

Für Sie als Arbeitgeber heißt das konkret:

  • keine Arbeitserlaubnis und kein Visum,
  • Gleichbehandlung mit deutschen Beschäftigten bei Lohn und Arbeitsbedingungen,
  • bei einer Direktanstellung in Deutschland gilt deutsches Sozialversicherungsrecht, wenn die Person nur hier arbeitet. Eine A1-Bescheinigung brauchen Sie dafür nicht.

Vier Wege im Vergleich

Weg Arbeitgeber Sozialversicherung Darauf achten
1. Direkte Anstellung Ihr Betrieb Deutschland Deutscher Arbeitsvertrag, Mindestlohn oder Branchenmindestlohn
2. Vermittlung (Agentur für Arbeit, EURES, private Personalvermittlung) Ihr Betrieb nach der Vermittlung Deutschland Dienste der BA sind kostenlos, private Vermittler berechnen ein Honorar
3. Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung) Verleiher mit Erlaubnis (§ 1 AÜG) über den Verleiher Lohnuntergrenze 15,33 Euro ab 1. September 2026; im Bau stark eingeschränkt
4. Entsendung durch einen polnischen Betrieb Polnischer Arbeitgeber Polen, nachgewiesen mit A1 Höchstens 24 Monate, Anmeldung beim Zoll vor Beginn

Vermittlung: Der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit arbeitet mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) zusammen. Stellenanzeigen können Sie gebührenfrei in der europäischen Stellensuche EURES veröffentlichen. Nach Angaben der BA tragen Arbeitgeber Kosten für Dienstleistungen wie Spracherwerb oder Anreise in der Regel selbst.

Zeitarbeit: Wer Arbeitskräfte verleiht, braucht dafür eine Erlaubnis (§ 1 AÜG). Die Überlassung ist nur vorübergehend zulässig, und Verleiher und Entleiher müssen sie im Vertrag ausdrücklich als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnen. Fragen Sie deshalb vor dem ersten Einsatz nach der Erlaubnis des Verleihers.

Entsendung: Ein polnisches Unternehmen schickt eigene Beschäftigte vorübergehend nach Deutschland. Das polnische Sozialversicherungsrecht bleibt anwendbar, wenn die voraussichtliche Dauer 24 Monate nicht überschreitet, das Arbeitsverhältnis fortbesteht, der Arbeitgeber in Polen nennenswert tätig ist und niemand abgelöst wird. Nachweis ist die Bescheinigung A1. Der ausländische Arbeitgeber muss die Beschäftigten vor Beginn jeder Werk- oder Dienstleistung schriftlich beim Zoll anmelden (§ 18 AEntG, § 16 MiLoG). Deutsche Mindestbedingungen gelten trotzdem, etwa bei Entlohnung, Urlaub und Arbeitszeit (§ 2 AEntG).

In der Praxis haben die Wege unterschiedliche Stärken:

  • Direktanstellung: volle Kontrolle und langfristige Bindung. Dafür tragen Sie den Verwaltungsaufwand und das Risiko bei Auftragsrückgang.
  • Zeitarbeit: flexibel und schnell verfügbar. Dafür höhere Stundensätze und meist geringere Bindung der Mitarbeiter an Ihren Betrieb.
  • Entsendung oder Werkvertrag: ergebnisorientiert und klar kalkulierbar. Dafür weniger direkte Kontrolle, und Werkverträge müssen echte Werkleistungen sein, sonst droht Scheinselbständigkeit.

Was in den vier Branchen gilt

Branche Lohnuntergrenze 2026 (brutto je Stunde) Besonderheit
Bau z. B. Dachdecker 14,96 Euro (ungelernt) und 16,60 Euro (gelernt), Elektrohandwerke 14,93 Euro, Gerüstbauer 14,35 Euro, Maler und Lackierer 16,13 Euro (Gesellen, ab 1. Juli 2026) Zeitarbeit für Arbeitertätigkeiten grundsätzlich unzulässig (§ 1b AÜG)
Landwirtschaft Mindestlohn 13,90 Euro Kurzfristige Beschäftigung bis 15 Wochen oder 90 Arbeitstage im Jahr (§ 8 SGB IV)
Pflege 16,52 Euro, mit mindestens einjähriger Ausbildung 17,80 Euro, Pflegefachkräfte 21,03 Euro (ab 1. Juli 2026) Fachkraft-Lohn nur mit Berechtigung nach § 4 Pflegeberufegesetz
Gastronomie Mindestlohn 13,90 Euro In der BMAS-Übersicht kein eigener Branchenmindestlohn; Tarifverträge prüfen

Bau: Arbeitnehmerüberlassung in Betriebe des Baugewerbes für Arbeiten, die üblicherweise von Arbeitern verrichtet werden, ist unzulässig. Ausnahmen gibt es nur in eng begrenzten Fällen, etwa wenn allgemeinverbindliche Tarifverträge es bestimmen. Mehr zur Suche nach Bau-Fachkräften lesen Sie in unserem Ratgeber Fachkräfte aus Polen für die Baubranche.

Landwirtschaft: Eine Beschäftigung in einem landwirtschaftlichen Betrieb gilt als kurzfristig, wenn sie im Kalenderjahr auf 15 Wochen oder 90 Arbeitstage begrenzt ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Wie Sie Saisonkräfte für 2027 planen, steht in unserem Beitrag Saisonkräfte 2027.

Pflege: Die Ausbildung für die mittlere Stufe kann laut Verordnung im Ausland abgeschlossen worden sein. Zwischen Mindestlohn und Mindestentgelt für Pflegefachkräfte liegen 7,13 Euro je Stunde, bei 160 Stunden im Monat rund 1.141 Euro brutto (unsere Berechnung).

Gastronomie: Köchinnen und Köche gehören laut BA-Engpassanalyse 2025 zu den gesuchten Berufen. Insgesamt hat sich der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen laut BA seit 2014 von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt.

So finden Sie die passenden Mitarbeiter

Spezialisierte Personalvermittlung: Am schnellsten geht es meist über eine Vermittlung, die auf polnische Fachkräfte spezialisiert ist. Personal aus Polen sucht für Sie in einer bestehenden Kandidatendatenbank, spricht mit den Bewerberinnen und Bewerbern auf Polnisch und stimmt Starttermin und Anreise mit Ihnen ab. Angestellt wird die Fachkraft danach direkt in Ihrem Betrieb.

Eigene Rekrutierung: Alternativ können Sie selbst über polnische Jobportale wie pracuj.pl oder olx.pl, über soziale Medien oder über die polnischen Arbeitsämter (Urząd Pracy) suchen. Das erfordert jedoch polnische Sprachkenntnisse und Marktwissen. Für Stellen in der Baubranche lohnt zusätzlich ein Blick in unseren Beitrag zum Stundenlohn polnischer Bauarbeiter 2026.

Kosten-Faktoren ohne Pauschalpreise

Seriöse Pauschalpreise gibt es nicht, weil Lohn, Dauer und Unterkunft von Fall zu Fall verschieden sind. Diese Posten sollten Sie einplanen:

  • Stundenlohn: mindestens Mindestlohn oder Branchenmindestlohn, bei Tarifbindung mehr.
  • Sozialversicherung: bei Anstellung in Deutschland die Arbeitgeberanteile, bei Entsendung gilt laut A1 das Recht des Entsendestaats.
  • Unterkunft und Reise: Für entsandte Beschäftigte gelten deutsche Anforderungen an vom Arbeitgeber gestellte Unterkünfte sowie Regeln zu Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten (§ 2 AEntG).
  • Anreise und Einarbeitung: erste Tage, Werkzeug, Sicherheitsunterweisung.
  • Vermittlung: bei der BA kostenlos, bei privaten Anbietern nach Vereinbarung.

Unser Rat: Rechnen Sie mit dem vollen Monatsbetrag statt mit dem Stundenlohn und klären Sie Unterkunft und Anreise schriftlich, bevor jemand losfährt.

Unterkunft, Anmeldung und typische Fehler

Besonders bei befristeten Einsätzen entscheidet die Unterkunft darüber, ob jemand anreist und bleibt. Achten Sie auf:

  • die Anforderungen an Unterkünfte nach Anhang 4.4 der Arbeitsstättenverordnung, wenn Sie als Arbeitgeber eine Unterkunft stellen,
  • getrennte Schlafräume, Kochgelegenheit und sanitäre Einrichtungen,
  • eine vertretbare Entfernung zum Einsatzort,
  • einen schriftlichen Mietvertrag oder eine Vereinbarung zur Unterkunft.

Viele polnische Fachkräfte arbeiten unter der Woche vor Ort und fahren am Wochenende nach Hause, besonders bei grenznahen Einsatzorten. Planen Sie Arbeitszeiten und Anreise entsprechend.

Diese Fehler sollten Sie vermeiden:

  • Entsendung ohne Nachweise: keine A1-Bescheinigung, keine Anmeldung beim Zoll.
  • Lohnuntergrenze unterschritten: Mindestlohn oder Branchenmindestlohn nicht beachtet.
  • Scheinselbständigkeit: Werkverträge müssen echte Werkleistungen sein.
  • Fehlende Anmeldungen: Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt, Beschäftigung bei der Sozialversicherung.
  • Sprachbarrieren: Vertrag und Arbeitsanweisungen müssen verständlich sein. Planen Sie zweisprachige Kommunikation ein.

Was bedeutet das für Ihren Betrieb

  1. Weg festlegen. Dauerhafte Verstärkung spricht für die direkte Anstellung, ein befristeter Auftrag eher für Entsendung oder Saisonarbeit.
  2. Lohnuntergrenze prüfen. Schauen Sie in die Übersichten von BMAS und Zoll, ob für Ihr Gewerk ein Branchenmindestlohn gilt.
  3. Personal anfragen. Nennen Sie uns Branche, Anzahl und Starttermin. Personal aus Polen meldet sich persönlich und klärt mit Ihnen den passenden Rekrutierungsweg. Jetzt Personal anfragen.

FAQ

Brauchen polnische Arbeitskräfte eine Arbeitserlaubnis?

Nein. Als EU-Bürger brauchen sie für eine Beschäftigung in Deutschland im Allgemeinen keine Arbeitserlaubnis. Das Freizügigkeitsgesetz/EU (§ 2) gibt Unionsbürgern, die als Arbeitnehmer kommen, das Recht auf Einreise und Aufenthalt.

Was ist die A1-Bescheinigung?

Die A1-Bescheinigung zeigt, welches Sozialversicherungsrecht gilt. Entsendet ein polnischer Arbeitgeber seine Beschäftigten vorübergehend nach Deutschland, bleibt bei einer voraussichtlichen Dauer von höchstens 24 Monaten das polnische Recht anwendbar. Die Bescheinigung stellt der Sozialversicherungsträger im Entsendestaat aus.

Darf ich polnische Bauarbeiter über Zeitarbeit einsetzen?

Arbeitnehmerüberlassung in Betriebe des Baugewerbes für Arbeiten, die üblicherweise von Arbeitern verrichtet werden, ist nach § 1b AÜG unzulässig. Ausnahmen gibt es unter anderem, wenn allgemeinverbindliche Tarifverträge es bestimmen. Lassen Sie den Einzelfall vorab prüfen.

Was muss ich einer polnischen Pflegekraft mindestens zahlen?

Seit 1. Juli 2026 gilt in der Pflegebranche ein Mindestentgelt von 16,52 Euro, für Pflegekräfte mit mindestens einjähriger Ausbildung 17,80 Euro und für Pflegefachkräfte 21,03 Euro brutto je Stunde (7. PflegeArbbV).

Wer meldet entsandte Arbeitnehmer beim Zoll?

Der Arbeitgeber mit Sitz im Ausland. Er muss vor Beginn jeder Werk- oder Dienstleistung eine schriftliche Anmeldung in deutscher Sprache bei der Zollverwaltung vorlegen, soweit § 18 AEntG oder § 16 MiLoG greifen.

Quellen

  1. Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5), § 1, Stand: 05.11.2025
  2. Mindestlohngesetz, § 1, § 16 und § 20, abgerufen am 01.10.2026
  3. Your Europe (Europäische Union): Arbeitserlaubnis, Stand: 03.09.2026
  4. Freizügigkeitsgesetz/EU, § 2, abgerufen am 01.10.2026
  5. Zoll: Sozialversicherung, Regelungen innerhalb der EU (Entsendung, Bescheinigung A1), abgerufen am 01.10.2026
  6. GKV-Spitzenverband, DVKA: Entsendung von abhängig beschäftigten Personen, abgerufen am 01.10.2026
  7. Arbeitnehmer-Entsendegesetz, § 2 und § 18, abgerufen am 01.10.2026
  8. Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 1 und § 1b, abgerufen am 01.10.2026
  9. BMAS: Branchenmindestlohn, Stand: 09.07.2026
  10. Zoll: Übersicht Branchen-Mindestlöhne, abgerufen am 01.10.2026
  11. Siebte Pflegearbeitsbedingungenverordnung, § 2 Mindestentgelt, abgerufen am 01.10.2026
  12. Sozialgesetzbuch IV, § 8, abgerufen am 01.10.2026
  13. Bundesagentur für Arbeit: Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland finden, abgerufen am 01.10.2026
  14. Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 32: Fachkräfte bleiben knapp, Stand: 02.09.2026
  15. Arbeitsstättenverordnung, Anhang 4.4 Unterkünfte, abgerufen am 01.10.2026

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